
Vor der Fernreise
Reisedurchfall — meist reicht die Reiseapotheke.
Loperamid und Elektrolytlösungen sind freiverkäuflich in jeder Apotheke erhältlich. Ein Rezept lohnt sich vor allem als Vorsorge: ein Stand-by-Antibiotikum für den Fall eines schweren, fieberhaften oder blutigen Durchfalls auf Reisen in Risikogebiete.
- Loperamid & Elektrolytlösung: rezeptfrei in der Apotheke
- Stand-by-Antibiotikum als Vorsorge für Risikoreisen — mit Rezept
- Bei Fieber oder blutigem Durchfall: Arzt vor Ort statt Selbstbehandlung
- Deutsche Ärzt:innen
- Diskreter Versand
- Vertraulich · DSGVO
Die meisten Fälle
Mild, selbstlimitierend, meist nach 3 bis 5 Tagen vorbei.
Reisedurchfall gehört zu den häufigsten Gesundheitsproblemen auf Fernreisen. Die Erkrankung heilt bei den allermeisten Betroffenen von selbst aus. An erster Stelle jeder Behandlung steht der Ausgleich von Flüssigkeits- und Elektrolytverlust, etwa mit einer fertigen oralen Rehydratationslösung aus der Apotheke. Loperamid kann bei ausgeprägten, aber unkomplizierten Beschwerden zusätzlich helfen — allerdings nur für kurze Zeit (maximal zwei Tage) und nicht bei Fieber oder blutigem Durchfall. Eine generelle Behandlung jeder Episode mit einem Antibiotikum ist wegen des meist milden, selbstlimitierenden Verlaufs nicht vorgesehen.
Rezeptpflicht ehrlich betrachtet
Ein Rezept lohnt sich als Vorsorge — nicht als Standardpaket für jede Reise.
Loperamid und orale Elektrolytlösungen sind in Deutschland freiverkäuflich und ohne Rezept in jeder Apotheke erhältlich (Loperamid zur Selbstmedikation nur für Erwachsene und Jugendliche ab 12 Jahren, in begrenzter Packungsgröße). Verschreibungspflichtig ist dagegen ein Stand-by-Antibiotikum wie Azithromycin, das als Einzeldosis für den Ernstfall unterwegs mitgeführt werden kann. Es ist nach aktueller Leitlinienempfehlung ausdrücklich nicht für jede Episode gedacht, sondern für Durchfall mit Fieber oder Blutabgang sowie für Reisende mit erhöhtem Risiko für einen schweren Verlauf. Eine vorbeugende, durchgehende Einnahme eines Antibiotikums über die gesamte Reisedauer wird in der Leitlinie ausdrücklich nicht empfohlen.
Wann nicht selbst behandeln
Blutiger Stuhl, Fieber, lang anhaltender Durchfall — das gehört zum Arzt.
Bei blutigem oder schleimigem Stuhl, hohem Fieber, starken Bauchschmerzen, anhaltendem Erbrechen oder Zeichen einer Austrocknung sollte im Reiseland ärztliche Hilfe gesucht werden — auch weil Loperamid in diesen Fällen ungeeignet ist. Das Gleiche gilt für Durchfall, der deutlich länger als eine Woche anhält oder erst nach der Rückkehr auftritt: Hier kommen andere Ursachen wie Lamblien oder Amöben infrage, die eine gezielte Diagnostik brauchen. Säuglinge, Schwangere, ältere Reisende und Menschen mit geschwächtem Immunsystem oder chronischen Erkrankungen sind zusätzlich gefährdet und sollten bei Beschwerden frühzeitig ärztlichen Rat einholen.
Mögliche Anzeichen
Das können Hinweise sein.
- Meist wässrige bis breiige Durchfälle, oft mit Übelkeit oder Bauchkrämpfen — in den allermeisten Fällen mild und nach wenigen Tagen von selbst vorbei
- Seltener im Vordergrund: Erbrechen als Hauptsymptom (eher viral bedingt) oder Fieber (eher Hinweis auf bakterielle Erreger)
- Selten: blutig-schleimiger Stuhl mit Fieber und starken Krämpfen — Zeichen eines schwereren, komplizierten Verlaufs
Wichtiger Hinweis
Blutiger oder schleimiger Stuhl, hohes Fieber, anhaltendes Erbrechen, eine unzureichende Flüssigkeitsaufnahme oder Anzeichen von Austrocknung (starker Durst, kaum noch Urin, Schwindel, Kreislaufprobleme) gehören zur ärztlichen Abklärung im Reiseland, nicht zur Selbstbehandlung mit Loperamid. Loperamid ist bei Fieber und blutigem Durchfall sogar ausdrücklich ungeeignet, weil es den Krankheitsverlauf durch ein erhöhtes Risiko für ein toxisches Megakolon verschlechtern kann. Gleiches gilt für Durchfall, der über mehrere Tage anhält oder länger als etwa zwei Wochen nach der Reise fortbesteht (Hinweis auf Parasiten wie Lamblien oder Amöben), sowie für Säuglinge, Kleinkinder, Schwangere, ältere Reisende und Menschen mit geschwächtem Immunsystem oder chronischen Vorerkrankungen — hier ist grundsätzlich Vorsicht geboten und im Zweifel ärztlicher Rat vor Ort gefragt.
Quellen
- S2k-Leitlinie Gastrointestinale Infektionen — Kapitel 5: Akute Gastroenteritis bei Reiserückkehrern (Version 2.1, November 2023) — Deutsche Gesellschaft für Gastroenterologie, Verdauungs- und Stoffwechselkrankheiten (DGVS), AWMF-Register-Nr. 021-024
- Reisedurchfall — Patienteninformation — IQWiG (gesundheitsinformation.de)
- Anlage 1 AMVV — Ausnahme von der Verschreibungspflicht für Loperamid — Bundesministerium der Justiz (gesetze-im-internet.de), Arzneimittelverschreibungsverordnung (AMVV)
- Azithromycin-ratiopharm 500 mg Filmtabletten — Fachinformation — ratiopharm GmbH (Gelbe Liste Service GmbH)
Reisedurchfall ehrlich eingeordnet
Für die meisten reicht die Reiseapotheke — ein Rezept ist der Sonderfall.
Mehr als 100 Millionen Menschen reisen jährlich aus Industrieländern in tropische und subtropische Regionen — mit einer geschätzten Gesamtzahl von rund 40 Millionen Erkrankungen an Reisedurchfall pro Jahr weltweit. In Hochrisikogebieten wie dem tropischen Afrika oder Südasien sind 15 bis 50 Prozent der Reisenden betroffen, in anderen Regionen wie Mittelamerika oder der Karibik deutlich weniger. Die Beschwerden beginnen meist in der ersten Reisewoche und klingen bei den allermeisten innerhalb von 3 bis 5 Tagen von selbst wieder ab. Schwere, blutig-fieberhafte Verläufe kommen dagegen bei weniger als 10 Prozent der Betroffenen vor.
Genau deshalb wird in der aktuellen Leitlinie zu gastrointestinalen Infektionen weder eine generelle Antibiotika-Einnahme bei jeder Episode noch eine vorbeugende, durchgehende Antibiotika-Einnahme über die Reisedauer empfohlen. An erster Stelle steht der Ausgleich von Flüssigkeits- und Elektrolytverlust, ergänzt durch freiverkäufliches Loperamid bei Bedarf. Ein Rezept für ein Stand-by-Antibiotikum ist vor allem für Reisen in Regionen mit erhöhtem Risiko sinnvoll oder für Reisende, bei denen ein schwererer Verlauf wahrscheinlicher ist — als Reserve für den Fall von Fieber oder blutigem Durchfall unterwegs, nicht als pauschale Erstlinientherapie.
Für Malaria-Prophylaxe oder Medikamente gegen Höhenkrankheit auf derselben Reise findest du bei uns eine eigene Seite zur Reisemedizin.
Häufig gefragt
Wenn du nur eine Frage hast — sie steht wahrscheinlich hier.
Brauche ich für jede Reise ein Rezept gegen Reisedurchfall?+
In den meisten Fällen nicht. Loperamid und Elektrolytlösungen sind rezeptfrei in jeder Apotheke erhältlich und reichen bei einem typischen, unkomplizierten Reisedurchfall aus. Ein Rezept lohnt sich vor allem als Vorsorge für Reisen in Regionen mit erhöhtem Risiko oder bei persönlichen Risikofaktoren.
Was verschreibt ihr dann überhaupt?+
Ein Stand-by-Antibiotikum, in der Regel Azithromycin als Einzeldosis, das du vorsorglich mitführst und nur im Ernstfall unterwegs einnimmst — etwa bei Fieber oder blutigem Durchfall, wenn kein Arzt in erreichbarer Nähe ist.
Wann ist Loperamid nicht geeignet?+
Bei Fieber und blutigem Durchfall sollte kein Loperamid eingenommen werden, da es den Verlauf verschlechtern kann. Auch ohne diese Warnzeichen ist die Einnahme auf maximal zwei Tage begrenzt.
Was gilt für Kinder?+
Loperamid ist in der Selbstmedikation erst ab 12 Jahren zugelassen. Bei jüngeren Kindern mit Durchfall auf Reisen steht der Flüssigkeitsersatz im Vordergrund, und im Zweifel sollte ärztlicher Rat vor Ort eingeholt werden.
Wie schnell bekomme ich das Rezept vor der Abreise?+
Nach Ausfüllen des Fragebogens meist am selben Tag, sofern deine Angaben zu Reiseziel und Vorerkrankungen keine weitere Rücksprache erfordern.
Was, wenn der Durchfall erst nach der Rückkehr auftritt oder lange anhält?+
Durchfall, der länger als etwa eine Woche anhält oder erst nach der Rückkehr auftritt, sollte ärztlich abgeklärt werden — dahinter können auch Parasiten wie Lamblien oder Amöben stecken, die eine gezielte Diagnostik erfordern.
Rezept für den Ernstfall unterwegs.
Fragebogen zu Reiseziel, Reisedauer und persönlichen Risikofaktoren — bei Bedarf ein Rezept für ein Stand-by-Antibiotikum, meist am selben Tag.
Bald wieder erhältlich